Projektarbeit

Projektarbeit in der Kita Laerer Löwenzahn

 Wo stammt der Projektbegriff her?

„Von seiner Bedeutung her entstammt das Wort „Projekt“ dem lateinischen Verb „proicere“ (hinausragen, herauswerfen) oder dem Substantiv „proiectio“ (das Ausgestreckte). Diese Bedeutung des Entwerfers findet sich auch in unserem heutigen Projektbegriff wieder“ (Berkemeier 2013, S. 304).

 

Was ist ein Projekt?

In einem Projekt setzten sich Kinder, Erzieher und Eltern über einen kurzen Zeitraum oder einen längeren Zeitraum z.B. mehrere Wochen intensiv, zielgerichtet und in vielfältigen Aktivitäten mit einem Thema der Lebensrealität der Kinder auseinander. Projekte können in Gruppen, aufgeteilt in U4 oder Ü4 oder gemischten Gruppen und auch mit einzelnen Kindern stattfinden. Projekte sind immer demokratisch bestimmt. Sie zielen auf Partizipation ab und setzen immer kooperative und solidarische Arbeitsformen voraus. Projekte ermöglichen eine inklusive Pädagogik. Das Ergebnis eines Projektes ist eher zweitrangig, denn der Prozess der Entwicklung zum Ergebnis hin ist wichtiger als das Ergebnis selbst. Projekte sind – trotz notwendiger Planung und Vorbereitung – Lernarrangements, die offen sind für spontane Ideen der Kinder, neue Überlegungen der Erzieherinnen und Erzieher oder Anregungen von Eltern oder anderen Personen. Die Themen werden „durch eigenes und eigenverantwortliches Handeln lernend bearbeitet“ (Berkemeier 2013, S. 305).

 

Wie entsteht ein Projekt?

Projekte werden aus konkreten Anlässen, Situationen, Impulsen, Fragen, Ideen und Beobachtungen der Kinder aus dem Alltag entwickelt, in denen die Neigung und Interessen der Kinder zum Ausdruck kommen. Aber auch Themen, mit denen die Kinder bis dahin noch nicht in Kontakt kamen, können in Projekten bearbeitet werden, wenn sie für das Hineinwachsen von Kindern in die Gesellschaft und für die Erweiterung ihrer „Weltsicht“ wichtig sind (vgl. Dreier et al. 2006, S. 35).

 

Was sind die Grundmerkmale der Projektarbeit?

„1.Die Grundmerkmale der Projektarbeit enthalten Selbsttätigkeit, Kindorientierung (Bedürfnisorientierung), Mitbestimmung

2.Reale, d.h. lebensnahe und berufsbezogene Lernbezüge, entdeckendes (forschendes) und exemplarisches Lernen, Handlungsorientierung

3.Fächerübergreifende Lösungsansätze, methodische Offenheit, ganzheitliches Erfahrungslernen, Umgang mit verschiedenen Auffassungen, Öffnung „hin zur Natur und zum Gemeinwesen““ (Berkemeier 2013, S. 305).

 

Prozessorientiertes Arbeiten im Projekt

Projektziele und Aktionsziele werden von uns Erwachsenen formuliert. Der Verlauf des Projekts bestimmt in wie weit die formulierten Ziele erreicht werden. Der Prozess ist uns wichtiger als das Ergebnis. Somit haben wir die Chance und die Gelegenheit flexibel auf verschiedenste Interessen der Kinder zu dem Thema zu reagieren und Ziele zu verändern. Die formulierten Ziele ermöglichen uns gleichzeitig den Überblick zu behalten. Das Ergebnis ist am Prozess orientiert. Der Weg ist das Ziel. Somit arbeiten wir Prozessorientiert.

 

Partizipatives Arbeiten im Projekt

Partizipation stammt aus dem Lateinischen und bedeutet: teilnehmen und Anteil haben. Auf die soziale Einrichtung bezogen lässt sich der Begriff wie folgt füllen: mitwirken, mitgestalten und mitbestimmen. „Partizipation heißt, Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden“ (Knauer 2011, S.19). Kinder erhalten durch das Leben von Partizipation in der sozialen Einrichtung die Chance eigene Entscheidung zu treffen und für diese einzustehen. Kinder haben „das Recht sich in allen Entscheidungen einzubringen, die ihr eigenes Leben betreffen. Partizipation beinhaltet ständiges reflektieren darüber, wie Machtverhältnisse und Entscheidungsbefugnissen zwischen Erwachsenen und Kindern verteilt werden können (vgl. Knauer 2011, S.19ff.). Wichtig ist es die Kinder mit dem Einsatz von Partizipation nicht zu überfordern, denn nicht alle Entscheidungen können von Kindern getroffen werden, da ihnen die möglichen Konsequenzen nicht bewusst sind.

In der Kita Laerer Löwenzahn wird Partizipation im Alltag vor allem durch das Kinderparlament, dem Mäuschenkreis und die Projektarbeit ein- und umgesetzt. Denn unsere Projektarbeit kann nur durch das Mitwirken der Kinder und ihren Ideen gelingen. 

 

Was wird durch Projektarbeit erreicht?

Lernen in Projekten ist ein entdeckendes, ganzheitliches und forschendes Lernen. Dabei steht das Ergebnis nicht schon vorher fest, sind die Antworten nicht schon vorher klar. Kinder und Erwachsene begeben sich vielmehr in einen gemeinsamen Prozess des Forschens, Erkundens und Untersuchens. Die weitaus meisten Erfahrungen werden im Verlauf eines Projektes gemacht. Im Prozess findet die Erweiterung kognitiver, emotionaler, motorischer und sozialer Kompetenzen statt:

„Projekte helfen dabei, die Dinge in der Welt zu verstehen (kognitiver Aspekt) und ermöglichen Kindern, die Themen mit dem ganzen Körper zu erforschen und zu „erspielen“ (motorischer Aspekt). Projekte vermitteln die Erfahrung etwas gemeinsam zu bewältigen oder für die Gemeinschaft etwas beizutragen (sozialer Aspekt) und wecken Freude und Neugierde, erzeugen Spannung und Stolz (emotionaler Aspekt)“ (Berkemeier 2013, S. 306).

 

Literatur

Berkemeier, Anja (2013): Kein Kinderkram! Erzieherinnen- und Erzieherausbildung. 3. Aufl. Braunschweig: Westermann.

Dreier, Annette; a, u.; Preissing, Christa (2006): Das Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt. 2. Aufl. Berlin: Verl. Das Netz.

Knauer, Raingard; Hansen, Rüdiger; Sturzenhecker, Benedikt (2011): Partizipation in Kindertageseinrichtungen. So gelingt Demokratiebildung mit Kindern! Weimar: verlag das netz.