Bewegung

Greifen ist auch ein Begreifen – Fassen ein Erfassen

„Sich zu bewegen ist für Kleinstkinder Ausdruck ihrer Lebenslust, ihrer Freude am Dasein, Zeichen ihrer Lebendigkeit. Sich zu bewegen heißt für die Kinder in den ersten Lebensjahren aber auch, Erfahrungen über sich selbst zu sammeln und über die Dinge und was diese in Bewegung versetzt. Bewegung ist die Grundlage des Lernens und Motor der Entwicklung.“ (Renate Zimmer)

 

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Bewegung-Mittel zur Selbst- und Welterfahrung

Über Bewegung lernen Kinder sich und ihre Umwelt kennen (geistige Entwicklung) und setzen sich über und mit ihrem Körper und ihren Sinnen mit der Welt auseinander. Kinder erfahren über die Bewegung, was sie können (Erfolg) und was sie nicht können (Misserfolg) und erweitern durch Ausprobieren ihre Fähigkeiten (Selbsterfahrung) und ihr Wissen. Durch und in Bewegung wird das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt. Bewegung ermöglicht Kindern ihre räumliche und dingliche Umwelt kennen und erforschen zu lernen. Sie explorieren, erforschen und sammeln Eigenschaften von Materialien durch das Anfassen und die Nutzung dieser (Materialerfahrung). Sie machen Erfahrungen mit den Gesetzmäßigkeiten (physikalische Gesetzmäßigkeit: Schwerkraft/ Beschleunigung) und lernen durch z.B. krabbeln und sich aufrichten die Dimensionen des Raumes kennen. Die Kinder kommen durch das Bewegen untereinander in Kontakt (psycho-soziale Entwicklung), erfahren ihre und die Bedürfnisse anderer. Sie lernen diese zu berücksichtigen, beobachten sich (Lernen am Modell), spielen mit-, aber auch gegeneinander, nehmen verschiedene Rollen ein, handeln Spielregeln aus und lernen Konflikte zu lösen.

 

Bewegungslandschaft: Was ist das?

Die Bewegungslandschaft versucht Hindernisse, Entdeckungen und Bewegungserfahrungen, die Kinder in der Natur z.B. im Wald erleben, als Impulse für Bewegungsangebote in inneren Räumlichkeiten zu nutzen. Die Räume werden zur Bewegungslandschaft umstrukturiert. Materialien und Geräte werden so verwendet, dass sie für die Kinder unterschiedliche Ebenen, verschiedene Materialerfahrungen und Hindernisse bieten und sie zu unterschiedlichsten Bewegungsformen anregen. Die Bewegungslandschaft bietet Raum für individuelle Bedürfnisse und Interessen der Kinder aus verschiedenen Altersstufen und fordert die Grob- sowie die Feinmotorik der Kinder (auf Hindernisse hinaufklettern, durch Hindernisse hindurchschlüpfen usw.).  Die Bewegungslandschaften werden nach den Themen, den Erlebnissen und Interessen der Kinder aufgebaut. Auch wenn die Bewegungslandschaften oft ein Oberthema erhalten, bleibt Raum für individuelle Deutungen seitens der Kinder. Die Aufbauten in der Bewegungslandschaft werden von den Kindern in einen Sinneszusammenhang gestellt, z.B. wird eine schräge Ebene zu einem Eisberg umgedeutet. Während des Erforschens der Bewegungslandschaft kann um- und angebaut werden, somit erhalten Kinder Raum zum mit- und umgestalten. Bewegungslandschaften regen die Fantasie, die Kreativität, das Rollenspiel, die Selbsttätigkeit, die Eigeninitiative an und bieten Bewegungsanreize. Die Gestaltung der Bewegungslandschaft orientiert sich an den Prinzipien einer offenen Bewegungserziehung: Kindgemäßheit, Offenheit, Entscheidungsfreiheit, differenzierte Schwierigkeitsstufen und Selbststätigkeit.

 

Literatur

Zimmer, Renate (2014): Handbuch Bewegungserziehung. Grundlagen für Ausbildung und pädagogische Praxis. Freiburg [u.a.]: Herder.

Zimmer, Renate; Kuhr, Marina; Sandhaus, Mareike; Renger, Nikolai (2014): Krippenkinder – Bewegungslandschaften. 32 Ideenkarten fürs Kleinkindturnen. Freiburg im Breisgau: Herder.

 

Unsere Erzieherinnen haben eine Powerpoint-Dokumentation zum Baustein Bewegung erstellt. Diese kann als PDF hier angesehen werden.